Nächster Film: Emotionalität und Spiritualität, Modul 11


Die Wichtigkeit, die Beziehung zum eigenen Vater und seinen Einfluss auf das eigene Leben zu reflektieren ist die eine Perspektive. Diese verändert sich, wenn aus dem Kind von damals schließlich selbst ein Vater wird. Für die eigene männliche bzw. väterliche Entwicklung ist es hilfreich, sich in der Retrospektive die eigenen Vorgänger mitsamt ihren Eigenschaften bewusst zu machen, sowohl Positiven als auch Negativen.


Vor allem Kinder aus suchtbelasteten Familien kommen zum Teil sehr früh mit Rauschmitteln in Kontakt - und nehmen sie als Teil ihrer Umwelt wahr. Das vorgelebte Verhalten der Eltern wird nachgestellt so gut es geht, was durch die Verkindlichung  von Suchtmitteln durch beispielsweise Schoko-Zigaretten oder zuprosten noch verstärkt werden kann1.  Neugier und Gruppengefühl sind hier erste Motivationen, die im zunehmenden Alter durch „vorbestehende  Verhaltensbesonderheiten wie „sensation seeking“, Expansivität und Impulsivität“ oder „psychische Störungen wie Depressionen oder Angstsymptome“ und „fehlende Ressourcen“ weiter vorangetrieben werden2.


Statt eines stabilen, zuverlässigen und unterstützenden Familienumfelds erleben Kinder aus Suchtfamilien oft das genaue Gegenteil: Instabilität, Unberechenbarkeit, Unkontrollierbarkeit, Gewalt, Misshandlungen, Missbrauch, Vernachlässigung und Diskontinuität prägen ihre Erfahrungen3. Kinder von Eltern, die von illegalen Substanzen abhängig sind, können außerdem leichter in Berührung mit Beschaffungskriminalität, sozialer Isolation, Prostitution und Stigmatisierung kommen4. Hinzu kommen häufige Beziehungsabbrüche und Partnerwechsel der Eltern, welche für Kinder eine zusätzliche Belastung darstellen. Oft vertrauen sich solche Kinder niemandem an, aus Scham, aber auch aus Solidarität den Eltern gegenüber. Ihr psychisches Wohlbefinden leidet.  


Institutionelle Präventionsmaßnahmen beispielsweise in Schulen reichen allein nicht aus um Heranwachsende hinreichend über die Gefahren des Konsums aufzuklären. Vielmehr ist elterliche Umsicht und Aufklärung notwendig, denn „Diese sorgen mit ihrem eigenen Konsumverhalten und mit suchtmittelfreundlichen Bedingungen wie einer großen sozialen Akzeptanz, der ubiquitären und relativ preisgünstigen Verfügbarkeit sowie einer fast ungehemmten Werbung dafür, dass besonders Suchtmittel wie die Einstiegsdrogen Alkohol und Tabak auch für Minderjährige attraktiv und erstrebenswert sind“ 5. Es ist also wichtig, die eigene Vorbildfunktion bewusst zu erkennen und gezielt einzunehmen. Umfassendes väterliches Engagement wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Empathie, sozialer Kompetenz, schulischer Leistungsfähigkeit und Problembewältigungsfertigkeiten aus6.


Diese Erkenntnis ist notwendig, um dem eigenen Kind ein gesundes und förderliches Umfeld bieten zu können und sollte im Fokus der themenbezogenen Arbeit mit Betroffenen stehen. Hierauf aufbauend stellen die selbstkritische Entwicklung der Vaterrolle des Betroffenen und die adäquate Vorbereitung auf die Vaterschaft Kernziele dieses Themenbereichs dar. Väterliche Präsenz und Engagement genießen einen zunehmenden gesellschaftlichen Stellenwert, die Unterstützung durch Väter- oder Männergruppen kann hier zusätzlich hilfreich sein.

 


Verweise

1 | Vgl. M. Klein, Kinder und Suchtgefahren: Risiken - Prävention - Hilfen. Stuttgart 2008. S. 7
2 | Vgl. ebd.
3 | Vgl. H. Stöver, A. Vosshagen, P. Bockholdt, F. Schulte-Derne, Männlichkeiten und Sucht - Handbuch für die Praxis, Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Münster 2017. S. 209
4 | Vgl. ebd.
5 | Vgl. M. Klein, Kinder und Suchtgefahren: Risiken - Prävention - Hilfen. Stuttgart 2008. S. 8
6 | Vgl. H. Stöver, A. Vosshagen, P. Bockholdt, F. Schulte-Derne, Männlichkeiten und Sucht - Handbuch für die Praxis, Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Münster 2017. S. 211